Die Stadt des Königs


Angthalion war nach Osgiliath gebracht worden. Der Stadt des Königs zu dieser Zeit. Und selbst redend hätte es keinen Ort in ganz Anor gegeben, der mit mehr Wachen, Soldaten und Spionen bestückt, als eben diese Stadt - Pelagir als Heimat von Castamir mal ausgenommen.

Die Reise verlief ereignislos und tatsäch war es recht einfach durch das Südtor und mit der Hilfe ihres Kontaktmanns Damroth in die Stadt zu kommen. Anders als in Minas Anor war in Osgiliath der König sehr präsent, seinen Bilder hingen an fast jeder Straßenecke und übertrafen die Steckbriefe, die Amar schon aus Minas Ator kannte, die auch hierher gelangt waren, an Zahl deutlich.

Die vier suchen sich eine kleine Spielunke am schmutzigen Hafenviertel in der nähe der südlichen Brücke als Hauptquartier, wie es Ihnen Damroth geraten hatte. Gilran, der Wirt, war ihnen mehr oder minder wohlgesonnen. Die vier stellten sich als Erwolt, den Blonden, Izaak den Südländer und Amroth mit seinem Großvater Ergil vor, die aus dem Umland kommend, die Stadt für eine kurze Zeit besichtigen wollten. Amar war klar, dass diese Tarnung im Hinblick auf die stahlharten Körper, dem widerwilligen Waffen- und Rüstungsverzicht, sowie des eiskalten Augen seiner Kumpanen, ein Witz war, aber besser als gar nichts.

Aber gerade wegen dieser ungenügenden Tarnung hatte nur Amar Lust sich in das treiben der Stadt zu begeben. Die anderen blieben beim Met in der Schankstube, während Amar sich die Stadt anschaute. Es war schon lange her, dass er hier das letzte Mal gewesen war. Nur kurz, er erinnerte sich gut. Aber die Brücke, die über den Anduin führte hatte ihn schon damals beeindruck. Der mächtigen Fluss war in dieser Stadt gleich zweimal mit riesigen Bauwerken überbrückt worden. Die nördliche Brücke war kleiner als die südliche und auch fast ausschließlich für die Truppen der Stadt reserviert. Die südliche, auf der Amar jetzt stand, war die Hauptstraße die die beiden Hälften der Stadt wie eine Halsschlagader mit dem Leben verbandt. Was würde wohl aus der Stadt geschehen, wenn diese Brücke zerstört wäre, dachte Amar gerade bei sich, als ein Fuhrwerk ihn beinahe überfahren hätte. Laut fluchend schrie der Kutscher ihn an und Amar schaute ihm nach als er an ihm vorbeifuhr. Eine Fuhrwagen von Bagmog, dem königlichen Wein und Met-Lieferanten. Der hat sicherlich zuvor den königlichen Hof beliefert, dachte Amar und schaute die Brücke entlang. Das besondere an dieser Brücke war, dass sie genau durch die königliche Residenz dieser Stadt führte. Es war eine imposante Zitadelle in Mitten des Anduin mit Kronsaal auf der südlichen Brückenseite und den königlichen Gemächern, den Amtsstuben und dem Gerichtssaal auf der nördlichen. Und eben dort, in unmittelbarer Nähe zum König und somit beim wohl am Besten bewachtesten Mann (außer Castamir), war Angthalion zu vermuten.

Es ist unmöglich, dachte Amar. Jedenfalls war es wohl kaum möglich, dass sie mit waffengewalt an ihr Ziel gelangen würden. Es müsste ein Plan her. Eine List, die so durchtrieben war, dass sie die Wachen, Soldaten und Spione verblüffen würde. Nur das war einfacher gesagt als getan.

Die Krähe Castamirs hatte ihnen nicht nur aufgetragen, Angthalion vor der Hinrichtung zu retten, sondern auch hochrangige Adelige zu befreien. Ein Unterfangen, welches sich zur Zeit nicht erfolgreich realisieren ließ, war das Fazit der vier nachdem Amar wieder zu ihnen in die Haifischflosse zurückgekehrt war, nach dem er in einer Tischlerei noch einen stützenden Stab erworben hatte, der ihm als Gehhilfe dienen sollte.

Man wollte sich auf die Befreiung Angthalions befreien. Sie hatten auch schon einen Ansatzpunkt: Calimar. Ihr Verbindungsmann Damroth hatte ihnen berichtet, dass die Krähen Castamirs einen hochrangigen Mann auf ihrer Soldliste hatten, den Gerichtsschreiber Calimar. Und dieser verrichtete seinen Dienst im Gerichtssaal direkt auf der königlichen Insel im Fluss. Das war ein Ansatz! Außerdem hatte Damroth ihnen erzählt, dass dieser Calimar natürlich nicht freiwillig zu diensten war, sondern weil sie sein kleines Geheimnis kannten: Calimar, dieser ehrwürde und rechtschaffende Mann mit Frau und Kind, hatte doch tatsächlich nach einer längeren Liason mit einem Mädchen, die daraus resultierende Frucht seiner Lenden eigenhändig im Fluss ertränkt. Die Krähen zahlten seit dem das Schweigegeld des Mädchens und behielten diese Information für sich, während der Gerichtsschreiber ihnen Informationen lieferte. Ja, diesen Gerichtsschreiber musste man treffen und mit den richtigen Worten, war so ein Treffen dann auch kurze Zeit später arrangiert.