Erwischt


Gestern waren sie endgütig aufgespürt worden. Nachdem sie Angthalion mit Mühe und Not aus der Torfeste befreit hatten, sah alles gut aus. Aber die Flucht in den 4. Ring der Stadt war zu einfach gewesen. Der Feind hatte ruhig gewartet und dann am helligten Tage zugeschlagen. Welchen Dämon Angthalion geritten hatte, dass dieser einfach dem Anführer gefolgt war, konnte keiner sagen. Vermutlich war es wieder einer der berüchtigten Ideen des Ritters gewesen. Seine Unvernunft war legendär. Und es wäre für Amar sicherlich ein Einfaches gewesen eine Rotte wilder Orks zu bändigen. Aber diese drei Herrführer und Eorl noch obendrein. Das war eine Aufgabe, die es in sich hatte.

Nachdem er den Jungs das plötzliche Verschwinden von Angthalion berichtet hatte, waren diese sofort raus auf den Platz gestürmt und hatten versucht in das gegenüberliegende Haus einzudringen, wo, wie sie richtig vermuteten, der Feind sie schon lange im Visier hatte. Nicht das erste aber auch nicht das letzte Mal an diesem Tage musste Amar wieder einmal den hasenarten Rückzug seiner Gefährten sichern.

Wie erwartet, enthüllte der Feind nach seiner Entdeckung seinen Plan und die abgelegene Tischlerwerkstatt, in der sie Zuflucht gesucht hatten, erwies sich als eine verfluchte Rattenfalle.

Der kleine Vorplatz füllte sich rasch mit einer Hunderschaft gondorianischer Soldaten. Wagen brachten allerlei brennbares Material. Im Schutze von Schild und Schwert wurden die Hauswände mit Heu und Stroh bedeckt. Wie so viele Häuser in dieser Stadt war auch Ihre Zufluchtstätte aus Stein. Wichtige Elemente in der Konstruktion waren jedoch aus Holz, sodass das Feuer über kurz oder lang obsiegen würde. Aber das war ja auch das Ansinnen der Drecksäcke auf dem Vorplatz, sie wollten sie alle jämmerlich verrecken sehen.

Auch der Weg durch den Keller, durch den sie vor Tagen in dieses Haus gelangt waren, war nicht vergessen worden. Stimmen zeigten an, dass auch dieser Weg versperrt war. Außerdem hätte Amar sich sowieso nicht durch die Kanalisation gezwängt. Mochten die anderen es gern den Kanalratten gleich tun, er Amar hatte nichts über für kindliches Schlammgewühle. Aber er wusste bereits, wie er sie hier alle rausbringen konnte, endgültig.

Fin und Harar waren mit seinem Plan einverstanden. Es war nicht gefahrlos, dass wussten sie. Aber auch für sie war der Weg durch den Keller nicht verheißungsvoll. Ein offener Kampf kam sowieso nicht in Frage. Es war nicht ratsam, sich dem Feind zu ergeben.

Nur Eorl wollte sich lieber auf seine Fäuste verlassen. Während Fin und Harar im obersten Stock das Dach von innen sorgfältig abdeckten, ohne dass die Belagerer etwas davon mitbekamen, nahm Eorl sein Schwert und ging in den Keller. Er war schon immer ein Mann der Tat gewesen.

Amar, der schon immer ein Mann der Gedanken gewesen war, späte auf den Vorplatz und wusste, dass es Zeit wurde. Fackelträger gingen auf das Haus zu, welches, wenn man nicht selbst darin steckte, sicherlich von außen betrachtet einem riesigen Scheiterhaufen glich. Es schien, als wollten die Herrscher dieser Stadt mit diesem Feuerberg all ihre Probleme der vergangenen Wochen beseitigen, dachte Amar, als der scharfe Geruch von brennendem Stroh und Heu in seine Nase aufstieg. Sie mussten weg hier.

Auf dem Dachboden angelangt, fehlte nur Eorl. Fin, der, was selten war, sowohl ein Mann der Gedanken und der Tat war, eilte hinunter und kehrte wenig später mit dem empörten Eorl zurück. Amar konnte sich denken, dass dieser sich lieber
durch die stinkende Kanalisation gekämpft hätte.

Jetzt durfte nichts schief gehen. Die Flammen verrichteten unerbittlich ihre Arbeit. Der Rauch war inzwischen so dicht, dass er einen tiefen, dunklen Schleier über den Abendhimmel legte. Diese Dunkelheit war ihr Verbündeter. Er sammelte die Gefährten um sich. Konzentration. Ja wahrlich, die Dunkelheit war schon häufig sein Verbündeter gewesen und sie würde es auch heute sein. Er wusste es, als er sich mit den Gefährten in die Luft erhob.